Das Objekt des Monats




Das Deutsche Technikmuseum zeigt im Foyer jeden Monat neu ein ausgewähltes Exponat.

Weitere Informationen finden Sie auch auf den Seiten des DTM.

In diesem Monat können Sie das folgende Exponat sehen:


Bildplattenspieler (Prototyp), 1970

Vor 50 Jahren wird ein neues audiovisuelles Zeitalter eingeläutet. Telefunken und Philips, damals die großen Zwei der europäischen Unterhaltungselektronik, stellen nahezu zeitgleich Videosysteme für den Heimgebrauch vor. Sie sollen Abwechslung ins Alltagseinerlei des Fernsehens bringen. Bis dahin kennen die meisten Menschen bewegte Bilder nur aus dem Kino oder vom heimischen TV-Gerät. Dort wird ein überschaubares Programm angeboten. Highlights sind neben den 20-Uhr-Nachrichten die großen Fernsehshows am Samstagabend. Mediatheken, Streaming-Dienste, selbst Videotheken liegen damals noch in einer weit entfernten Zukunft. Am 23. Juni 1970 stellt Philips in Hamburg einen Videokassettenrekorder vor. Einen Tag später präsentieren Telefunken und die Plattenfirma Teldec in Berlin den Prototyp eines Bildplattenspielers. Dieser ähnelt nicht nur optisch einem Schallplattenspieler, er funktioniert auch nach dem selben Grundprinzip: Auf dem Plattenteller rotiert eine hauchdünne Plastikscheibe. Sie hat feine Rillen, die durch eine Nadel abgetastet werden. Im Unterschied zum Plattenspieler werden nicht nur Ton-, sondern auch Bildsignale erzeugt. Auf diese Weise lassen sich über ein angeschlossenes Fernsehgerät zehnminütige Videos abspielen. Für die Bildplatte reizen die Telefunken-Ingenieure das von Thomas A. Edison 1877 erfundene Prinzip Nadel-in-Rille bis an die Grenze des physikalisch Machbaren aus. Der technische Geniestreich erweist sich aber schon bald als Ladenhüter. Es gibt (noch) keinen Markt für 10-Minuten-Videos. 1975 nimmt Telefunken das System wieder aus dem Programm.   ist Teil der Online-Sammlungen des Museums.