Das Objekt des Monats




Das Deutsche Technikmuseum zeigt im Foyer jeden Monat neu ein ausgewähltes Exponat.

Weitere Informationen finden Sie auch auf den Seiten des DTM.

In diesem Monat können Sie das folgende Exponat sehen:


Zeichenkasten, um 1720
© SDTB / Foto: C. Kirchner

Zeichenkasten, um 1720

Wer schon einmal mit einem Zirkel gearbeitet hat, weiß, dass sich die Schenkel verstellen können, wenn sie zueinander nicht richtig fixiert sind. Dieses Problem der ungewollten Veränderung des Öffnungswinkels beim Abmessen oder Kreisschlagen mit Hilfe eines Zirkels kannte schon Leonardo da Vinci (1452–1519) – dessen Tod sich im Mai 2019 zum 500. Mal jährt.

Durch ein überliefertes Skizzenblatt des Universalgelehrten da Vinci ist bekannt, dass er sich mit der technischen Verbesserung von Zirkeln beschäftigt hat. Zwischen Mechanik- und Geometriestudien befinden sich dort Entwurfszeichnungen verschiedener Zirkel. Diese Stechzirkel dienten zum Messen und Abtragen von Entfernungen und zum Vorreißen von Kreisen in Papier zum freihändigen Nachzeichnen. Damit sich die Schenkel beim Hantieren nicht gegeneinander verstellen, hat Leonardo zwischen ihnen eine mehrteilige, gegabelte Gelenkkonstruktion erdacht, um Reibung zwischen den Kontaktflächen zu erzeugen.

Der ausgestellte Zeichenkasten aus Nürnberg um 1720 veranschaulicht, dass die Arbeit am Problem der instabilen Zirkelschenkel weitergegangen ist. Zum Lockern und Feststellen von Zirkeln dient hier ein Zirkelschlüssel, mit dem sich die Beweglichkeit des Zirkels im Bereich des Zirkelkopfes verändern lässt.

Der Kasten enthält auch Einsatzzirkel, die seit Mitte des 17. Jahrhunderts bekannt sind. Bei ihnen lassen sich verschiedene Einsätze mittels Schrauben an einem Schenkel des Zirkels fixieren. So können neben einer Metallspitze zum Vorreißen auch eine Reißfeder zum direkten Zeichnen mit Tusche sowie Verlängerungen zum Ziehen von größeren Kreisen eingesetzt werden.