Das Objekt des Monats




Das Deutsche Technikmuseum zeigt im Foyer jeden Monat neu ein ausgewähltes Exponat.

Weitere Informationen finden Sie auch auf den Seiten des DTM.

In diesem Monat können Sie das folgende Exponat sehen:


Schlauchboot-Modell, um 1944
© SDTB / Foto: C. Kirchner

Schlauchboot-Modell, um 1944

Die Berlinerin Dorothea Meissner, geb. Meyer (1925–2018), schenkte das um 1944 selbst genähte Schlauchboot ihrem Vater zu Weihnachten. Dieser hatte 1942 veranlasst, dass sie in seiner Firma „Albert Meyer, Bau pneumatischer Boote, Berlin“ mitarbeitete. So entging sie der Kriegsarbeit an der Front.

Idee und Bau von aufblasbaren, schwimmfähigen Plattformen (Pontons) gehen auf das Jahr 1839 zurück. Daraus entstand 1844/45 in Großbritannien das erste Schlauchboot aus Gummi. Später produzierten es auch US-amerikanische und französische Firmen. In Deutschland waren es der Berliner Hermann Meyer und sein 16-jähriger Sohn Albert, die 1913 ein Patent auf ein „beidseitig benutzbares, aufblasbares Wasserfahrzeug mit fest eingebautem Gummiboden“ erhielten. Zunächst experimentierten und konstruierten sie in der heimischen Küche. Doch bald florierte das Geschäft. Albert erhielt unzählige Patente – 1929 auf die Luftmatratze – und konstruierte neben Freizeitbooten und Matratzen auch Rettungsmittel und Pontons für die Berliner Feuerwehr und die Bundeswehr. Bis zu ihrer Auflösung 1976 hatte die Firma großen Einfluss auf die internationale Weiterentwicklung dieser Produkte.

1939 verlor die Firma durch Verstaatlichung ihre Patentrechte und damit den Wettbewerbsvorteil. Nach dem Zweiten Weltkrieg half Dorothea ihrem Vater Albert beim Neuanfang. Sie war für die Produktion zuständig und führte gleichberechtigt mit ihm und ihrem Ehemann Kurt Meissner die Firma. Sie war eine selbstbestimmte Frau und brach in ihrem Privatleben aus der Enge der familialen Firmenstruktur aus.